Kempenkreuz
Gemeinde: Wiener Neustadt
Zeitkategorie: 19. Jahrhundert, 1. Hälfte
Chronik:
Über den Erbauer der einst an dieser Stelle befindlichen Bethalle und des in den Jahren 1912, 2001 und 2009 renovierten „Kempenkreuzes“
Feldmarschall-Leutnant Johann KEMPEN, Freiherr von Fichtenstamm wurde am 26. Juni 1793 im tschechischen Pardubitz als Sohn eines Offiziers geboren. Damit waren nach den ungeschriebenen Regeln des damals herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verständnisses die Weichen für seine berufliche Laufbahn gestellt.
Bereits im Alter von 22 Jahren wurde Johann KEMPEN in den Generalstab berufen, wonach er nach verschiedenen Dienstleistungen im Jahre 1836 zum Kommandanten des 8. Infanterieregiments bestellt wurde.
Den Grundstein für seine weitere Karriere legte jedoch das Revolutionsjahr 1848, nach dessen Wirren und Folgewirkungen am 8. Juni 1849 aus personellen Ressourcen des stehenden Heeres die österreichische Gendarmerie gegründet wurde. Freiherr von Kempen wurde mit deren Organisation beauftragt.
"Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit" waren die Maxime der neu gegründeten Gendarmerie. Dass sich die Art und Weise der Durchsetzung dieser Grundsätze von der heutigen Vorgangsweise der Exekutive krass unterschied, liegt auf der Hand. Dies war auch der Grund für die nicht unumstrittene Stellung des 1. Generalinspektors der Gendarmerie im Kaiserreich.
Als nach der verlorenen Schlacht von Solferino im Juni des Jahres 1859 erstmals oppositionelle Regungen gegen das Militär wach werden, beginnt – just im Jahre seines 50. Dienstjubiläums – auch der Stern KEMPENs zu sinken.
Im September 1859 nimmt er seinen Abschied, am 29. November 1863 stirbt der verdiente Offizier im Alter von 70 Jahren und findet auf dem Friedhof der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt seine letzte Ruhestätte.
Anläßlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums stiftete Freiherr von KEMPEN an dieser Stelle im Föhrenwald eine Bethalle mit einem Kreuz in ihrem Inneren. Die feierliche Einweihung fand am 29. Juni 1859 statt.
Die Bethalle ist im Laufe von über 150 Jahren verschwunden, das Kreuz aber steht immer noch am selben Ost als Symbol für Verständnis, Versöhnung und nicht zuletzt als Erinnerung an den ersten Gendarmen Österreichs, den Feldmarschall-Leutnant Johann KEMPEN, Freiherr von Fichtenstamm.
Beschreibung:
Holzkreuz mit Überdachung auf gemauertem Sockel. Am gemauerten Kreuzfuß zwei Inschrifttafeln.
Details
Gemeindename | Wiener Neustadt |
Gemeindekennzahl | 30401 |
Ortsübliche Bezeichnung | Kempenkreuz |
Objektkategorie | 1560 ( Religiöse Kleindenkmäler | Kreuze | ) |
Katastralgemeinde | |
Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer | 4685/1 |
Ortschafts- bzw. Ortsteil | |
Straße und Hausnummer bzw. Flurname | Föhrenwald 1 |
Längengrad | 16.1122596 |
Breitengrad | 47.4554987 |
denkmalgeschützt | -- |
Höhe (m) | 3.5 |
gemessen od. geschätzt | geschätzt |
Breite (m) | |
gemessen od. geschätzt | -- |
Tiefe (m) | |
gemessen od. geschätzt | -- |
Zustandsklassifizierung | gut |
Falls sanierungsbedürftig od. ruinös: empfohlene Maßnahmen |
Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) | Holzkreuz mit Überdachung auf gemauertem Sockel. Am gemauerten Kreuzfuß zwei Inschrifttafeln. |
Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details |
Zeitkategorie | 19. Jahrhundert, 1. Hälfte |
Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) | Über den Erbauer der einst an dieser Stelle befindlichen Bethalle und des in den Jahren 1912, 2001 und 2009 renovierten „Kempenkreuzes“ Feldmarschall-Leutnant Johann KEMPEN, Freiherr von Fichtenstamm wurde am 26. Juni 1793 im tschechischen Pardubitz als Sohn eines Offiziers geboren. Damit waren nach den ungeschriebenen Regeln des damals herrschenden politischen und gesellschaftlichen Verständnisses die Weichen für seine berufliche Laufbahn gestellt. Bereits im Alter von 22 Jahren wurde Johann KEMPEN in den Generalstab berufen, wonach er nach verschiedenen Dienstleistungen im Jahre 1836 zum Kommandanten des 8. Infanterieregiments bestellt wurde. Den Grundstein für seine weitere Karriere legte jedoch das Revolutionsjahr 1848, nach dessen Wirren und Folgewirkungen am 8. Juni 1849 aus personellen Ressourcen des stehenden Heeres die österreichische Gendarmerie gegründet wurde. Freiherr von Kempen wurde mit deren Organisation beauftragt. "Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit" waren die Maxime der neu gegründeten Gendarmerie. Dass sich die Art und Weise der Durchsetzung dieser Grundsätze von der heutigen Vorgangsweise der Exekutive krass unterschied, liegt auf der Hand. Dies war auch der Grund für die nicht unumstrittene Stellung des 1. Generalinspektors der Gendarmerie im Kaiserreich. Als nach der verlorenen Schlacht von Solferino im Juni des Jahres 1859 erstmals oppositionelle Regungen gegen das Militär wach werden, beginnt – just im Jahre seines 50. Dienstjubiläums – auch der Stern KEMPENs zu sinken. Im September 1859 nimmt er seinen Abschied, am 29. November 1863 stirbt der verdiente Offizier im Alter von 70 Jahren und findet auf dem Friedhof der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt seine letzte Ruhestätte. Anläßlich seines 50-jährigen Dienstjubiläums stiftete Freiherr von KEMPEN an dieser Stelle im Föhrenwald eine Bethalle mit einem Kreuz in ihrem Inneren. Die feierliche Einweihung fand am 29. Juni 1859 statt. Die Bethalle ist im Laufe von über 150 Jahren verschwunden, das Kreuz aber steht immer noch am selben Ost als Symbol für Verständnis, Versöhnung und nicht zuletzt als Erinnerung an den ersten Gendarmen Österreichs, den Feldmarschall-Leutnant Johann KEMPEN, Freiherr von Fichtenstamm. |
Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher) | Auszug aus dem Tagebuch des Feldmarschall-Leutnants Johann Kempen, Freiherr von Fichtenstamm aus dem Jahre 1859 29.Juni. Feiertag. "Heute fand im Föhrenwalde nächst Schwarzau die feierliche Einweihung des Kreuzes in der Bethalle, welche ich erbauen ließ, um 3 Uhr nachmittags statt. Der Kreisvorstand Graf Coudenhove, General Knoll, mehrere Stabsoffiziere, einige Verwandte von mir und bei 6000 Menschen fanden sich bei der Weihe ein. Die bewaffneten Bürger von Wiener-Neustadt, von ihrem Bürgermeister Purgleitner geführt, standen nächst der geschmückten Bethalle in Parade. Der Neustädter Pfarrprobst Karl Gößmann unter Assistenz vieler Priester vollzog die Weihe durch eine angemessene Rede, dann durch ein stilles Gebet am Fuße des Kreuzes, kniend von einem Priester um den anderen dargebracht, während der Neustädter Gesangsverein auferbauliche Gesänge ertönen ließ. Kein Auge fühlender Seelen blieb ungenäßt. Der kirchlichen, alle Gemüter erhebenden Feierlichkeit folgte ein schönes, frohes Volksfest, welches ein wahrhaft vaterländisches Gepräge hatte. Unter einem Zelte wurden die geladenen Gäste bewirtet und auch für die übrigen Anwesenden war gesorgt. Musik ertönte und insbesondere mir wurden viele Ehren erwiesen, als ich das frohe Gewimmel durchging. Es ergriff mich die tiefste Rührung, daß, während die Masse sich vergnügte, die Bethalle von Andächtigen vollgedrängt war, welche vor dem Kreuze auf ihren Knien lagen. Dies war der letzter, wahrhaft auferbauende Eindruck des Festes, als ich an der Bethalle vorüber um 7 Uhr nach Hause fuhr. Erst am 14. September, also nach zehn Wochen, kam ich dazu, diesen Tag der Andacht und der Befriedigung meiner Seele näher zu verzeichnen. Er war für lange, lange Zeit mein frohester Tag. Wie wenig ahnte ich damals, als ich fromm gebetet und als ich stolz war auf meine Treue für den Kaiser, daß der Glaube und die Treue einer harten Prüfung unterzogen würden. Indes ich werde standhaft beides bewahren, bis ich selber erlösche." Inschrifttafeln am Kreuz Feldmarschallleutnant Johann Freiherr Kempen von Fichtenstamm 1793 – 1863 Der Gründer der österreichischen Gendarmerie im Jahre 1849 Den andächtigen Waldbesuchern durch die Munificenz Sr Excellenz des Herrn k.k. Feldmarschalllieutnants Joh. Freiherrn Kempen von Fichtenstamm im Jahre 1859 geweihet. Die Kosten für das Maria Theresien-Denkmal im Akademiepark – Enthüllung am 31. August 1862 im Beisein von Kaiser Franz Joseph I. – wurden durch Spenden ehemaliger Absolventen der Militärakademie aufgebracht, besondere Verdienste erwarb sich dabei der damalige Feldzeugmeister Johann Freiherr Kempen von Fichtenstamm. |