Pestsäule

Religiöse KleindenkmälerHochsäulen, Pestsäulen- und -kreuze

Gemeinde: Horn

Zeitkategorie: 17. Jahrhundert, 2. Hälfte

Chronik:

Aus der ostseitigen Sockelinschrift in lateinischer Sprache geht hervor, dass die Säule 1680 (Chronogramm) vom Horner Volk zum Dank für die Abwehr der 'Geißel der zürnenden Gottheit', der Pest, errichtet wurde, die in diesem Jahr in Österreich gewütet hat. Die nordseitige Inschrift 1834 bezieht sich auf die Renovierung durch die Bürgerschaft anlässlich der Choleraepidemie, der 1832 80 Einwohner der Stadt zum Opfer gefallen sind. Die südseitige Inschrift weist auf die nächste Choleraseuche hin, die 1866, durch den Durchzug der preußischen Armee verursacht, 132 Personen das Leben gekostet hat. Die westseitige Inschrift 1928 gedenkt der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Säule wurde 1680 vom Steinmetzmeister Josef Macho aus Engelbrechts mit Material vom Steinbruch dieses Ortes hergestellt. Renoviert 1739, 1796 u. 1834. Die Pestsäule wurde 1963 zerlegt und einige Meter nach Westen versetzt.

Beschreibung:

Die nach Osten ausgerichtete Pestsäule besteht aus einem abgestuften Unterbau, einem hohen Sockel mit vortretenden Eckpfeilern, akroteriengeschmückten Deckplatten und der Säule. An deren Fuß eine Figurengruppe der Dreifaltigkeit und Darstellungen der Pestheiligen Rosalia, Rochus und Sebastian sowie eine Skulptur von Johann Nepomuk. Die Säule ist mit Palmettenkränzen und einem Cherubskopfkapitell mit Fruchtgirlanden ausgestattet und trägt eine Maria Immaculata (unbefleckte Empfängnis). Die Horner Säule stellt eine Besonderheit dar, weil sie mit Maria gekrönt ist und nicht mit einer Dreifaltigkeit, dem Hauptelement neben den Pestheiligen. Die Mariendarstellung ist untypisch; sie hält Pfeile in der Hand und steht auf einem Drachen. Die Hände sind auch nicht zum Gebet gefaltet. Die lateinische Stiftungsinschrift, mit dem Chronogramm 1680 in der letzten Zeile:

Details

Gemeindename Horn
Gemeindekennzahl 31109
Ortsübliche Bezeichnung Pestsäule
Objektkategorie 1570 ( Religiöse Kleindenkmäler | Hochsäulen, Pestsäulen- und -kreuze | )

Katastralgemeinde Horn -- GEM Horn
Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer 2039/1
Ortschafts- bzw. Ortsteil Horn
Straße und Hausnummer bzw. Flurname Kirchenplatz
Längengrad 15.65821
Breitengrad 48.66399

denkmalgeschützt geschuetzt

Höhe (m) 11.9
gemessen od. geschätzt gemessen
Breite (m) 4.2
gemessen od. geschätzt gemessen
Tiefe (m) 4.2
gemessen od. geschätzt gemessen

Zustandsklassifizierung sanierungsbedürftig
Falls sanierungsbedürftig od. ruinös:
empfohlene Maßnahmen
Sockelbereich ausbessern, reinigen, Eisenhalterungen, Schrift, alte Ausbesserungen renovieren, Arm der Rosalia ergänzen und das Gesicht erneuern, Abplatzungen restaurieren. Sitzbänke, Papierkorb und Fahrradständer vom Objekt entfernen.

Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) Die nach Osten ausgerichtete Pestsäule besteht aus einem abgestuften Unterbau, einem hohen Sockel mit vortretenden Eckpfeilern, akroteriengeschmückten Deckplatten und der Säule. An deren Fuß eine Figurengruppe der Dreifaltigkeit und Darstellungen der Pestheiligen Rosalia, Rochus und Sebastian sowie eine Skulptur von Johann Nepomuk. Die Säule ist mit Palmettenkränzen und einem Cherubskopfkapitell mit Fruchtgirlanden ausgestattet und trägt eine Maria Immaculata (unbefleckte Empfängnis). Die Horner Säule stellt eine Besonderheit dar, weil sie mit Maria gekrönt ist und nicht mit einer Dreifaltigkeit, dem Hauptelement neben den Pestheiligen. Die Mariendarstellung ist untypisch; sie hält Pfeile in der Hand und steht auf einem Drachen. Die Hände sind auch nicht zum Gebet gefaltet. Die lateinische Stiftungsinschrift, mit dem Chronogramm 1680 in der letzten Zeile:
Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details DEO TRIUNI. SOSPITATORI/LATREUTICAM DIVINAEQ./ GRATIAE MATRI VIRGINI TUTELARI/EUCHARISTICAM. OB AVERSUM IRATI NUMINIS FLAGELLUM QUOD./ANN. INTEGR. MDCLXXIX. PESTIFERA. LUE. AUSTRIAM. POPULANTE/ULT. ETIAM. QUADRIM. AFFLICTAE. HUIC. CIVITATI. IMPENDEBAT./PIAE. DEMUM. POSTERITATI. MNEMONEUTICAM./HANC. STATVAM. VOTO. POPVLVS. FVNDAVERAT. HORNAE Übersetzung: Dem dreieinigen Gott, dem Erretter, zur Verehrung und der Mutter von göttlicher Gnade, der schützenden Jungfrau, zum Dank wegen der Abwehr der Geißel der zornigen Gottheit, die, als das ganze Jahr 1679 hindurch eine todbringende Seuche Österreich verheerte, in den letzten vier Monaten auch diese unglückliche Stadt bedrohte, schließlich der frommen Nachkommenschaft zur Erinnerung hat(te) das Volk von Horn diese Statue infolge eines Gelübdes errichtet.

Zeitkategorie 17. Jahrhundert, 2. Hälfte
Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) Aus der ostseitigen Sockelinschrift in lateinischer Sprache geht hervor, dass die Säule 1680 (Chronogramm) vom Horner Volk zum Dank für die Abwehr der 'Geißel der zürnenden Gottheit', der Pest, errichtet wurde, die in diesem Jahr in Österreich gewütet hat. Die nordseitige Inschrift 1834 bezieht sich auf die Renovierung durch die Bürgerschaft anlässlich der Choleraepidemie, der 1832 80 Einwohner der Stadt zum Opfer gefallen sind. Die südseitige Inschrift weist auf die nächste Choleraseuche hin, die 1866, durch den Durchzug der preußischen Armee verursacht, 132 Personen das Leben gekostet hat. Die westseitige Inschrift 1928 gedenkt der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Die Säule wurde 1680 vom Steinmetzmeister Josef Macho aus Engelbrechts mit Material vom Steinbruch dieses Ortes hergestellt. Renoviert 1739, 1796 u. 1834. Die Pestsäule wurde 1963 zerlegt und einige Meter nach Westen versetzt.
Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher) weitere Inschriften: WEGEN DER GLÜCKLICHEN ABWEHR DER / AUS JNDIEN GESANDTEN GOTTESGEISEL / CHOLERA, WELCHE DAMALS, ALS / DIE HAESSLICHE SEUCHE FAST GANZ / EUROPA BEFIEL, AUCH DIESE ARME / STADT BEDROHTE UND IM MONATE / AUGUST 1832 ACHTZIG EINWOHNER HINRAFFTE, LIESS DIE BÜRGERSCHAFT / VON HORN IM EHRFURCHTSVOLLEM / HINBLICK AUF DIE ÜBERAUS GERECHTEN / /ENTSCHEIDUNGEN DES GÖTTLICHEN / WILLENS DIESES DENKMAL FROMMER / DANKBARKEIT ERNEUERN / IM JAHRE / 1834 VOM 2.BIS 6.AUGUST 1866 ZOG DIE / PREUSS.ELBE-ARMEE DURCH HORN, / NAHM DASELBST TAEGLICH MIT / 8000 MANN QUARTIER UND / ERRICHTETE EIN LAZARETH, DAS / MIT HUNDERTEN CHOLERAKRANKER / SOLDATEN BELEGT WARD.DADURCH / KAM DIE SEUCHE AM 5.AUGUST 1866 / IN DER STADTBEVOELKERUNG ZUM / AUSBRUCHE UND FORDERTE IN / 6WOECHENTLICHER DAUER 132 / PERSONEN ZUM OPFER. / VATER IM HIMMEL, SCHÜTZE VOR / FERNEREM ÜBEL DIE STADT. DES ALLMÄCHTIGEN GÜTE UND DIE / TAPFERKEIT UNSERER HEERE / BESCHÜTZTEN DIESE STADT UND DIE / HEIMAT IN DEN BITTEREN TAGEN / DES WELTKRIEGES 1914-1918. / ÜBER 100 SÖHNE DER STADT HORN / STARBEN FÜR UND DIE HEIMAT / DEN HELDENTOD./ EHRE IHREM ANDENKEN! / ERNEUERT 1928.






Informationsquellen, Literatur und weitere Quellen Andraschek-Holzer, R. u. Rabl, E.: Höbarthmuseum und Stadt Horn. Beiträge zu Museum und Stadtgeschichte, Horn 1991. Andraschek-Holzer, R.: Historischer Führer durch die Stadt Horn, Horn 1992; Dehio: Die Kunstdenkmäler NÖs, NÖ nördl. der Donau, Wien 1990.

Wolfgang Andraschek-Holzer/ Karlheinz Hulka
Datum der Erfassung 2012-01-01
Datum der letzten Bearbeitung 2012-01-01

Standort

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