Studenten-Marterl

RechtsdenkmälerStrafrechtsdenkmälerSühnekreuze

Gemeinde: Horn

Zeitkategorie: 17. Jahrhundert, 2. Hälfte

Chronik:

Steinsäule und Metallaufsatz sind verschieden alt. Laut Franz Kießling könnte es sich um die ehemalige Prangersäule vom Marktplatz (Hauptplatz) handeln, das eiserne Rad, das mit zwei sich kreuzenden Schwertern geziert erscheint, soll auf die Hochgerichtsbarkeit hinweisen. Der Überlieferung nach markiert das 'Studentenmarterl' eine Stelle, an der einst ein Duell stattgefunden hat, angeblich zwischen einem einheimischen und einem fremden Studenten, die einander gegenseitig im Duell getötet haben sollen. 1958 wurde bei der Errichtung des Hauses Wienerstraße 26 ein vollständiges Skelett gefunden. Das Marterl stand bis 1958 an Stelle des jetzigen Hauses Wienerstraße 26 (einige Meter ostwärts).

Beschreibung:

Das sogenannte Studentenmarterl besteht aus einer sich nach oben leicht verjüngenden Rundsäule mit Cherubskopfkapitell und einem prismatischen Sockel mit Kranzgesimse und Inschriften. Über dem vierseitigen Kapitell mit ionischen Voluten und Cherubsköpfchen befindet sich ein geschmiedeter, vergoldeter Scheibenkranzaufsatz mit Flammenrahmung. Am unteren Ende der Säule Inschrift, ein Chronogramm zu deuten als Jahreszahl '1714' (Quersumme von IVVICCDIIM): O IesVs spes VnICa CorDIs et (An)IMa(e) (O Jesus, einzige Hoffnung des Herzens und der Seele).

Details

Gemeindename Horn
Gemeindekennzahl 31109
Ortsübliche Bezeichnung Studenten-Marterl
Objektkategorie 1333 ( Rechtsdenkmäler | Strafrechtsdenkmäler | Sühnekreuze)

Katastralgemeinde Horn -- GEM Horn
Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer 219/1
Ortschafts- bzw. Ortsteil Horn
Straße und Hausnummer bzw. Flurname Meierhof Wiener Straße
Längengrad 15.66572
Breitengrad 48.664

denkmalgeschützt geschuetzt

Höhe (m) 5.1
gemessen od. geschätzt gemessen
Breite (m) 1.3
gemessen od. geschätzt gemessen
Tiefe (m) 1.3
gemessen od. geschätzt gemessen

Zustandsklassifizierung sehr gut
Falls sanierungsbedürftig od. ruinös:
empfohlene Maßnahmen

Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) Das sogenannte Studentenmarterl besteht aus einer sich nach oben leicht verjüngenden Rundsäule mit Cherubskopfkapitell und einem prismatischen Sockel mit Kranzgesimse und Inschriften. Über dem vierseitigen Kapitell mit ionischen Voluten und Cherubsköpfchen befindet sich ein geschmiedeter, vergoldeter Scheibenkranzaufsatz mit Flammenrahmung. Am unteren Ende der Säule Inschrift, ein Chronogramm zu deuten als Jahreszahl '1714' (Quersumme von IVVICCDIIM): O IesVs spes VnICa CorDIs et (An)IMa(e) (O Jesus, einzige Hoffnung des Herzens und der Seele).
Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details Inschrift auf dem Sockel nordostseitig: DER NAME/DES HERRN SEY/GEBENE[deit]/VON/NVN AN PIS/IN EWIGKEIT. Weitere Inschrift am Sockel, auch laut Bleistiftzeichnung um 1865, zu lesen: O IESV(Herz bildlich dargestellt)/ICH LIEBE/DICH/DAN DV ZV/VOR GELIEBT/HAST MICH. Restauriert 1992. Eine bei der letzten Renovierung an der Rückseite der eisernen Stützkonstruktion des Flammenkranzes aufgedeckte Inschrift lautet '17 BHH 15'.

Zeitkategorie 17. Jahrhundert, 2. Hälfte
Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) Steinsäule und Metallaufsatz sind verschieden alt. Laut Franz Kießling könnte es sich um die ehemalige Prangersäule vom Marktplatz (Hauptplatz) handeln, das eiserne Rad, das mit zwei sich kreuzenden Schwertern geziert erscheint, soll auf die Hochgerichtsbarkeit hinweisen. Der Überlieferung nach markiert das 'Studentenmarterl' eine Stelle, an der einst ein Duell stattgefunden hat, angeblich zwischen einem einheimischen und einem fremden Studenten, die einander gegenseitig im Duell getötet haben sollen. 1958 wurde bei der Errichtung des Hauses Wienerstraße 26 ein vollständiges Skelett gefunden. Das Marterl stand bis 1958 an Stelle des jetzigen Hauses Wienerstraße 26 (einige Meter ostwärts).
Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher) Originaltext Franz Kießling: Insbesonders eigenartig erscheint die zweite dieser Steinsäulen (die erste ist das Hellerkreuz, Anm.), deren Kopfstück ein aus Schmiedeeisen erzeugtes flammendes Rad krönt, in der Art und Weise ausgeführt, wie man sinnbildlich das 'Sonnenrad' darstellt. - Früher konnte man auch noch zwei, sich in dem Sonnenrade kreuzende Schwerter bemerken, deren Spitzen beiderseits über den unteren Rand hinausragten, nunmehr aber zum Theile abgerostet oder abgebrochen worden sind. Der Sage nach wäre diese Denksäule errichtet worden, zum Andenken an einen Zweikampf, den hier zwei 'Studenten' ausfochten. An anderer Stelle im selben Buch: In Horn soll noch im vorigen Jahrhunderte (im 17.Jh. Anm.) auf dem Marktplatze die Prangersäule gestanden haben. Nach urkundlichen Aufzeichnungen im Rathhause befand sich diese Säule zumindest schon im 16. Jahrhunderte an Ort und Stelle. Wenn Wochenmarkt war, wurde an der Säule ein Blechfähnlein mit dem Stadtwappen befestigt; so lange dies oben stak, durften nur ortsansässige Bürger Waren verkaufen oder feil bieten; erst wenn nach einiger Zeit der Gerichtsdiener das Fähnlein wieder abgenommen hatte, konnten Auswärtige von dem Marktrechte Gebrauch machen. An der Säule hing auch eine Kugel. An diese Kugel knüpft sich die Meinung, daß sie den zum Tode durch Ersäufen verutheilten Verbrechern um den Hals gehängt wurde. - Wie dem Verfasser weiters mitgetheilt wurde, soll jene Steinsäule, die gleich außerhalb Horn, rechts der Straße nach Drei=Eichen steht, nämlich jene Säule, die mit dem merkwürdigen eisernen Rade, das mit zwei sich kreuzenden Schwertern geziert erscheint, versehen ist, die ehemalige Prangersäule von Horn sein, was diesen Abzeichen nach, immerhin möglich erscheint, da Schwert und Rad auf die Hochgerichtsbarkeit verweisen.

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Isidor_Sigmhbg

1997-04-15

Rieder Leopold

Informationsquellen, Literatur und weitere Quellen Kießling, Franz: Eine Wanderung im Poigreiche, Horn 1898; Dehio: Die Kunstdenkmäler NÖs, NÖ nördl. der Donau, Wien 1990; Zach-Kiesling, W.: Bildstockwanderungen im Poigreich, Rosenburg-Mold 1995; Berg, Friedrich: Das Horner Studentenmarterl, Horn 1998.

Wolfgang Andraschek-Holzer/Karlheinz Hulka
Datum der Erfassung 2012-01-01
Datum der letzten Bearbeitung 2012-01-01

Standort

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