Johannes Nepomuk Denkmal

Freiplastikenreligiöse FreiplastikenJohannes Nepomukdarstellungen

Gemeinde: Langenzersdorf

Zeitkategorie: 18. Jahrhundert, 2. Hälfte

Chronik:

Das Johannes Nepomuk Denkmal wurde unter Pfarrer Joachim Knab 1766 errichtet, und zwar an jener Stelle, an der vermutlich der Kirchenbach ursprünglich die Hauptstraße überquerte. Die Ausführung erfolgte durch den k.k. Hofsteinmetzmeister Stephan Gabriel Steinböck. Mit Zunahme des Verkehrs auf der Bundesstraße wurde das Johannes Nepomuk Denkmal allmählich zu einem Verkehrshindernis und deshalb 1935 ca. 7 m nordwestlich verlegt. Im Zuge der Verlegung wurde das Denkmal 1935/36 durch Prof. Walter Gettel (1900-1967) restauriert. Prof. Walter Gettel war Schüler des Bildhauers Anton Hanak (1875-1934) sowie Bürgermeister und Vize-Bürgermeister von Langenzersdorf (1955-1960 und 1965-1967). Johannes aus Pomuk („ne Pomuk“; geboren um 1345 in Pomuk bei Pilsen, heute Nepomuk bei Plzen/Tschechien, gestorben am 20. März 1393 in der Moldau in Prag/Tschechien) war ein böhmischer Priester und Heiliger. Am 20. März 1393 wurde er mit zwei weiteren Geistlichen durch Wenzel IV., den König von Böhmen und Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gefangengenommen und anschließend getötet. Der Legende nach hatte die Königin Johannes zu ihrem Beichtvater gewählt. König Wenzel wollte nun Johannes zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen, dieser weigerte sich jedoch und wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen. Durch ein Wunder wurde der Tote geborgen und im Prager Dom beigesetzt. Als man im Jahr 1719 sein Grab öffnete, sei die Zunge des Toten unverwest gewesen. Johannes gilt deshalb auch als „Märtyrer des Beichtgeheimnisses“ und in seiner Verehrung manifestiert sich, wie wichtig die katholische Kirche das Beichtgeheimnis erachet. 1729 wurde Johannes Nepomuk heiliggesprochen. Tatsächlicher Hintergrund für die Gefangennahme, Folterung und Ermordung Johannes Nepomuks dürfte indes ein kirchenrechtlicher Streit zwischen König Wenzel und dem Erzbischof Johann von Jenstein gewesen sein, in den Johannes Nepomuk involviert war. Auch in Langenzersdorf setzte unter Pfarrer Hieronymus Lindemayr eine intensive Verehrung des Heiligen Johannes Nepomuk ein, die in der Errichtung einer Johannes Nepomuk-Bruderschaft sowie der Errichtung eines Altares zu seinen Ehren (1749) mündete. Die Errichtung des Johannes Nepomuk Denkmals im Jahr 1766 unter Pfarrer Joachim Knab stellte einen weiteren Höhepunkt dieser Heiligenverehrung dar. Als Schutzpartron gegen Wassergefahren und der Brücken stehen Statuen des Heiligen Johannes Nepomuk oftmals auf oder neben Brücken über Flüsse bzw. Bäche. Dies dürfte auch in Langenzersdorf der Fall gewesen sein, denn an der Stelle, an der das Denkmal ursprünglich errichtet wurde, dürfte der Kirchenbach die Hauptstraße gekreuzt haben. Ob hier tatsächlich eine Brücke über den Kirchenbach führte, ist hingegen nicht belegt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Bett des Kirchenbaches ab der Stelle, wo er die Kellergasse kreuzt, östlich hinter die Kirche verlegt, insbesondere um die Kirche vor Vermurungen infolge starker Wolkenbrüche zu schützen (die Hochwassermarke in der Katholischen Pfarrkirche St. Katharina erinnert an die Überschwemmung von 1709). Relief Richtung Wiener Straße: „Türkennot“ – Im Hintergrund sind die brennende Pfarrkirche von Langenzersdorf (mit pyramidenförmigem Turmdach), ein brennendes Bauernhaus sowie eine Pappel zu sehen. Im Vordergrund kniet ein junger Mann in einheimischer Tracht vor einem älteren langbärtigen Mann mit Turban und Leibbinde. Der junge Mann wird von einem als türkischer Krieger zu identifizierenden Mann mit Turban, Schnurrbart, Pluderhose und Krummsäbel vorgeführt. Das Relief nimmt auf die im Jahr 1683 erfolgte Heimsuchung des Ortes durch die einfallenden Osmanen Bezug. Relief Richtung Kirchengasse: „Überschwemmung“ – Darstellung des überfluteten Ortes mit der Pfarrkirche, zwei Bauernhäusern und dem Bisamberg im Hintergrund; im Mittelgrund treiben zwei Boote mit Menschen auf der Wasserfläche. Im Vordergund links trägt ein Helfer eine schwere Last, rechts beten eine knieende Mutter mit Kind. Über dem Geschehen schwebt die Heilige Katharina als Kirchenpatronin von Langenzersdorf mit den Attributen Palmwedel und Rad sowie mit zum Himmel erhobener linker Hand auf einer Wolke. Hochwasser und Überschwemmungen stellten bis ins 20. Jahrhundert eine ständige Bedrohung für Langenzersdorf dar. Relief Richtung Begleitstraße parallel zur Wiener Straße: „Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel“ (darüber Angabe des Errichtungsdatums MDCCLXVI [1766] in einem Kranz mit Schleife) – Dieses Relief stellt die Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel dar, der ihn vor seiner Folterung durch Geschenke zur Preisgabe des Beichtgeheimnisses bewegen wollte. Auf dem Relief steht der König in der Mitte der Darstellung und zeigt auf einen Stuhl mit Geschenken, mit der er Johannes Nepomuk zu bestechen versucht. Rechts neben ihm steht Johannes Nepomuk und zeigt mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf seine linke Brust, um damit zu verdeutlichen, dass das Beichtgeheimnis in seinem Herzen verschlossen bleibt. Die Buchstaben „SK RC“ bei der Inschrift „Bitte für die Herde und Ihren Hirten' verweisen vermutlich auf Sebastian Koppreiter. Koppreiter war von 1795 bis 1810 Pfarrer in Langenzersdorf und Regularkanoniker oder Augustiner-Chorherr, was durch die Buchstaben R.C. angegeben wird. Während seiner Wirkungszeit in Langenzersdorf wurde der Ort durch die französischen Soldaten heimgesucht, weshalb der Hilferuf an den Heiligen Johannes Nepomuk am Denkmal angebracht worden sein dürfte.

Beschreibung:

Statue des Heiligen Johannes Nepomuk in Priesterkleidung mit vergoldetem Heiligenschein aus Metall auf einem hohen dreiarmigen Volutensockel mit drei Reliefdarstellungen. Auf den Voluten befinden sich jeweils geflügelte Putti. Bildhauer: Stephan Gabriel Steinböck, Errichtung 1766. Restaurierung 1935/36 durch Prof. Walter Gettel, letzte umfassende Restaurierung 1994. Inschrift über dem Relief „Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel“: „MDCC LXVI“, rechts neben dem Relief: „Bitte / für die Heerde / und / Ihren Hirten SK / RC' Inschrift links neben dem Relief „Überschwemmung“: „Renoviert / 1935-1936“

Details

Gemeindename Langenzersdorf
Gemeindekennzahl 31214
Ortsübliche Bezeichnung Johannes Nepomuk Denkmal
Objektkategorie 1713 ( Freiplastiken | religiöse Freiplastiken | Johannes Nepomukdarstellungen)

Katastralgemeinde Langenzersdorf -- GEM Langenzersdorf
Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer 1707/1
Ortschafts- bzw. Ortsteil
Straße und Hausnummer bzw. Flurname Wiener Straße 37
Längengrad 16.360065
Breitengrad 48.308022

denkmalgeschützt geschuetzt

Höhe (m) 4.7
gemessen od. geschätzt gemessen
Breite (m) 2.35
gemessen od. geschätzt gemessen
Tiefe (m) 2.35
gemessen od. geschätzt gemessen

Zustandsklassifizierung gut
Falls sanierungsbedürftig od. ruinös:
empfohlene Maßnahmen

Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) Statue des Heiligen Johannes Nepomuk in Priesterkleidung mit vergoldetem Heiligenschein aus Metall auf einem hohen dreiarmigen Volutensockel mit drei Reliefdarstellungen. Auf den Voluten befinden sich jeweils geflügelte Putti. Bildhauer: Stephan Gabriel Steinböck, Errichtung 1766. Restaurierung 1935/36 durch Prof. Walter Gettel, letzte umfassende Restaurierung 1994. Inschrift über dem Relief „Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel“: „MDCC LXVI“, rechts neben dem Relief: „Bitte / für die Heerde / und / Ihren Hirten SK / RC' Inschrift links neben dem Relief „Überschwemmung“: „Renoviert / 1935-1936“
Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details Der hohe Volutensockel, auf dem die Statue des Heiligen Johannes Nepomuk steht, ist in seiner Dominanz im Vergleich zu den Sockeln bei anderen Nepomuk-Darstellungen in der Region einzigartig und stellt schon ein Kunstwerk für sich dar. Neben reichen Verzierungen sind die drei Sockelflächen zwischen den Voluten auch mit Reliefbildern geschmückt: „Türkennot“, „Überschwemmung“ und die „Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel“.

Zeitkategorie 18. Jahrhundert, 2. Hälfte
Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) Das Johannes Nepomuk Denkmal wurde unter Pfarrer Joachim Knab 1766 errichtet, und zwar an jener Stelle, an der vermutlich der Kirchenbach ursprünglich die Hauptstraße überquerte. Die Ausführung erfolgte durch den k.k. Hofsteinmetzmeister Stephan Gabriel Steinböck. Mit Zunahme des Verkehrs auf der Bundesstraße wurde das Johannes Nepomuk Denkmal allmählich zu einem Verkehrshindernis und deshalb 1935 ca. 7 m nordwestlich verlegt. Im Zuge der Verlegung wurde das Denkmal 1935/36 durch Prof. Walter Gettel (1900-1967) restauriert. Prof. Walter Gettel war Schüler des Bildhauers Anton Hanak (1875-1934) sowie Bürgermeister und Vize-Bürgermeister von Langenzersdorf (1955-1960 und 1965-1967). Johannes aus Pomuk („ne Pomuk“; geboren um 1345 in Pomuk bei Pilsen, heute Nepomuk bei Plzen/Tschechien, gestorben am 20. März 1393 in der Moldau in Prag/Tschechien) war ein böhmischer Priester und Heiliger. Am 20. März 1393 wurde er mit zwei weiteren Geistlichen durch Wenzel IV., den König von Böhmen und Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gefangengenommen und anschließend getötet. Der Legende nach hatte die Königin Johannes zu ihrem Beichtvater gewählt. König Wenzel wollte nun Johannes zwingen, das Beichtgeheimnis zu brechen, dieser weigerte sich jedoch und wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen. Durch ein Wunder wurde der Tote geborgen und im Prager Dom beigesetzt. Als man im Jahr 1719 sein Grab öffnete, sei die Zunge des Toten unverwest gewesen. Johannes gilt deshalb auch als „Märtyrer des Beichtgeheimnisses“ und in seiner Verehrung manifestiert sich, wie wichtig die katholische Kirche das Beichtgeheimnis erachet. 1729 wurde Johannes Nepomuk heiliggesprochen. Tatsächlicher Hintergrund für die Gefangennahme, Folterung und Ermordung Johannes Nepomuks dürfte indes ein kirchenrechtlicher Streit zwischen König Wenzel und dem Erzbischof Johann von Jenstein gewesen sein, in den Johannes Nepomuk involviert war. Auch in Langenzersdorf setzte unter Pfarrer Hieronymus Lindemayr eine intensive Verehrung des Heiligen Johannes Nepomuk ein, die in der Errichtung einer Johannes Nepomuk-Bruderschaft sowie der Errichtung eines Altares zu seinen Ehren (1749) mündete. Die Errichtung des Johannes Nepomuk Denkmals im Jahr 1766 unter Pfarrer Joachim Knab stellte einen weiteren Höhepunkt dieser Heiligenverehrung dar. Als Schutzpartron gegen Wassergefahren und der Brücken stehen Statuen des Heiligen Johannes Nepomuk oftmals auf oder neben Brücken über Flüsse bzw. Bäche. Dies dürfte auch in Langenzersdorf der Fall gewesen sein, denn an der Stelle, an der das Denkmal ursprünglich errichtet wurde, dürfte der Kirchenbach die Hauptstraße gekreuzt haben. Ob hier tatsächlich eine Brücke über den Kirchenbach führte, ist hingegen nicht belegt. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde das Bett des Kirchenbaches ab der Stelle, wo er die Kellergasse kreuzt, östlich hinter die Kirche verlegt, insbesondere um die Kirche vor Vermurungen infolge starker Wolkenbrüche zu schützen (die Hochwassermarke in der Katholischen Pfarrkirche St. Katharina erinnert an die Überschwemmung von 1709). Relief Richtung Wiener Straße: „Türkennot“ – Im Hintergrund sind die brennende Pfarrkirche von Langenzersdorf (mit pyramidenförmigem Turmdach), ein brennendes Bauernhaus sowie eine Pappel zu sehen. Im Vordergrund kniet ein junger Mann in einheimischer Tracht vor einem älteren langbärtigen Mann mit Turban und Leibbinde. Der junge Mann wird von einem als türkischer Krieger zu identifizierenden Mann mit Turban, Schnurrbart, Pluderhose und Krummsäbel vorgeführt. Das Relief nimmt auf die im Jahr 1683 erfolgte Heimsuchung des Ortes durch die einfallenden Osmanen Bezug. Relief Richtung Kirchengasse: „Überschwemmung“ – Darstellung des überfluteten Ortes mit der Pfarrkirche, zwei Bauernhäusern und dem Bisamberg im Hintergrund; im Mittelgrund treiben zwei Boote mit Menschen auf der Wasserfläche. Im Vordergund links trägt ein Helfer eine schwere Last, rechts beten eine knieende Mutter mit Kind. Über dem Geschehen schwebt die Heilige Katharina als Kirchenpatronin von Langenzersdorf mit den Attributen Palmwedel und Rad sowie mit zum Himmel erhobener linker Hand auf einer Wolke. Hochwasser und Überschwemmungen stellten bis ins 20. Jahrhundert eine ständige Bedrohung für Langenzersdorf dar. Relief Richtung Begleitstraße parallel zur Wiener Straße: „Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel“ (darüber Angabe des Errichtungsdatums MDCCLXVI [1766] in einem Kranz mit Schleife) – Dieses Relief stellt die Versuchung des Heiligen Johannes Nepomuk durch König Wenzel dar, der ihn vor seiner Folterung durch Geschenke zur Preisgabe des Beichtgeheimnisses bewegen wollte. Auf dem Relief steht der König in der Mitte der Darstellung und zeigt auf einen Stuhl mit Geschenken, mit der er Johannes Nepomuk zu bestechen versucht. Rechts neben ihm steht Johannes Nepomuk und zeigt mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf seine linke Brust, um damit zu verdeutlichen, dass das Beichtgeheimnis in seinem Herzen verschlossen bleibt. Die Buchstaben „SK RC“ bei der Inschrift „Bitte für die Herde und Ihren Hirten' verweisen vermutlich auf Sebastian Koppreiter. Koppreiter war von 1795 bis 1810 Pfarrer in Langenzersdorf und Regularkanoniker oder Augustiner-Chorherr, was durch die Buchstaben R.C. angegeben wird. Während seiner Wirkungszeit in Langenzersdorf wurde der Ort durch die französischen Soldaten heimgesucht, weshalb der Hilferuf an den Heiligen Johannes Nepomuk am Denkmal angebracht worden sein dürfte.
Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher)

Johannes Nepomuk Denkmal 1
2012
Gregor-Anatol Bockstefl

Johannes Nepomuk Denkmal 2
2012
Gregor-Anatol Bockstefl

Johannes nepomuk Denkmal 3
2012
Gregor-Anatol Bockstefl

Johannes nepomuk Denkmal 3
2012
Gregor-Anatol Bockstefl

Johannes Nepomuk Denkmal 4
2012
Gregor-Anatol Bockstefl

Informationsquellen, Literatur und weitere Quellen Erich Gusel, Langenzersdorf – einst. Ein Bildband aus der Zeit von 1895 bis 1945, Langenzersdorf 1980; zu Abb. 58, 59, S. 104f. Erich Gusel, Zur Geschichte von Langenzersdorf, Teil 25-27: Das Johannes von Nepomuk-Denkmal, in: Langenzersdorfer Handels- u. Gewerbeblatt, 2-5/1995

Datum der Erfassung 2012-01-01
Datum der letzten Bearbeitung 2019-09-02
letzter Bearbeiter Anton Stöger

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Vollständig erfasst

Das Gütesiegel des BHW kennzeichnet dieses Objekt als vollständig und fachlich korrekt erfasst und vom BHW Fachbereich Klein-und Flurdenkmäler geprüft.