Seifterkasten

KleinspeicherGetreidespeicher

Gemeinde: Sankt Andrä im Lungau

Zeitkategorie: 18. Jahrhundert

Chronik:

Der Kasten soll von „Italienern“ gemauert worden sein.
"Man nimmt an, dass viele gemauerte Troadkästen von Wandermaurern aus dem oberitalienischen Raum errichtet wurden, die auf der Tauernstraße zu den Großbauten der Erzbischöfe nach Salzburg zogen und ein wenig dazuverdienen wollten. Die Häuser im Lungau waren damals ja noch vorwiegend Holzbauten. Von Wandermalern aus Friaul wurden die Kästen dann mit farbenfrohen Elementen verziert." 1)
Es besteht möglicherweise eine Zeitgleichheit mit den Kästen in Lintsching beim Niggl und beim Wegmacher, wo auch italienische Gastarbeiter um 1910 bis 1912 gearbeitet haben sollen.
Es gibt aber keine besonderen Anhaltspunkte über Alter und Entstehung (lt. R. Kurz)
Bei diesem Kasten ist das Entstehungsdatum mit Ende 17., erste Hälfte 18. Jhd. anzunehmen. Im Franziscäischen Kataster ist er bereits als gemauert eingezeichnet.
Die letzte Restaurierung erfolgte 2008.

Beschreibung:

Der gemauerte Seifterkasten steht direkt an der Dorfstraße neben dem neugebauten Seiftergut. Oxidrote Rustiken, Eckquader, Geschossbänder und Bänder um Fenster, Haustüre und den Giebel in Form des "Schlafenden Hundes" zieren den Kasten. Die Fensteröffnung ist mit aufgemalten Gewänden und einem optisch darauf liegenden Architrav umrandet. Auf diesem Architrav scheinen drei Kugeln zu liegen (Kreise mit eingeschriebenen kleinen gefüllten Kreisen).

An der rechten, vorderen Ecke des Troadkastens ist ein großer Flussstein als Radabweiser in das Gebäude integriert. (Foto)
Über dem segmentbogenförmigen Portal befindet sich ein ovales Medaillon mit einer Darstellung der Kreuzigung Christi.
Um 1990 sollte das Bild restauriert werden, welches inzwischen weiß übertüncht worden war.
Der beauftragte Künstler, dem Dialekt nach ein Ausländer (ein Tscheche lt. Hr. Lerchner), versuchte zu ergründen, was ursprünglich aufgemalt war.
Er legte das alte Bild frei und erkannte eine Frau, die betet und zum Himmel schaut. Später konnte noch ein Kruzifix identifiziert werden.
Man entschied sich dann das Bild auf eine Holzplatte zu malen und im Rahmen zu befestigen, der mittels Eisenring am Gebäude festgeschraubt wurde. Noch heute ist das Bild in sehr gutem Zustand. Der damalige Ortspfarrer Maier nahm die Weihe vor.

Im Inneren trennt eine Holzdecke Erd- und Obergeschoß. Der Troadkasten besitzt wie die meisten im Obergeschoß ein Tonnengewölbe.
Mehrere sogenannte „Schleudern“, d. h. Gebäudeanker, sind aus statischen Gründen gegen den Gewölbeschub im Kasten angebracht.



Details

Gemeindename Sankt Andrä im Lungau
Gemeindekennzahl 50507
Ortsübliche Bezeichnung Seifterkasten
Objektkategorie 2110 ( Kleinspeicher | Getreidespeicher | )

Katastralgemeinde St.Andrä -- GEM Sankt Andrä im Lungau
Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer 1938
Ortschafts- bzw. Ortsteil St. Andrä
Straße und Hausnummer bzw. Flurname 10
Längengrad 13.793741
Breitengrad 47.148122

denkmalgeschützt nicht geschuetzt

Höhe (m) 6.5
gemessen od. geschätzt geschätzt
Breite (m) 5.6
gemessen od. geschätzt gemessen
Tiefe (m) 6
gemessen od. geschätzt gemessen

Zustandsklassifizierung sehr gut
Falls sanierungsbedürftig od. ruinös:
empfohlene Maßnahmen

Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) Der gemauerte Seifterkasten steht direkt an der Dorfstraße neben dem neugebauten Seiftergut. Oxidrote Rustiken, Eckquader, Geschossbänder und Bänder um Fenster, Haustüre und den Giebel in Form des "Schlafenden Hundes" zieren den Kasten. Die Fensteröffnung ist mit aufgemalten Gewänden und einem optisch darauf liegenden Architrav umrandet. Auf diesem Architrav scheinen drei Kugeln zu liegen (Kreise mit eingeschriebenen kleinen gefüllten Kreisen).

An der rechten, vorderen Ecke des Troadkastens ist ein großer Flussstein als Radabweiser in das Gebäude integriert. (Foto)
Über dem segmentbogenförmigen Portal befindet sich ein ovales Medaillon mit einer Darstellung der Kreuzigung Christi.
Um 1990 sollte das Bild restauriert werden, welches inzwischen weiß übertüncht worden war.
Der beauftragte Künstler, dem Dialekt nach ein Ausländer (ein Tscheche lt. Hr. Lerchner), versuchte zu ergründen, was ursprünglich aufgemalt war.
Er legte das alte Bild frei und erkannte eine Frau, die betet und zum Himmel schaut. Später konnte noch ein Kruzifix identifiziert werden.
Man entschied sich dann das Bild auf eine Holzplatte zu malen und im Rahmen zu befestigen, der mittels Eisenring am Gebäude festgeschraubt wurde. Noch heute ist das Bild in sehr gutem Zustand. Der damalige Ortspfarrer Maier nahm die Weihe vor.

Im Inneren trennt eine Holzdecke Erd- und Obergeschoß. Der Troadkasten besitzt wie die meisten im Obergeschoß ein Tonnengewölbe.
Mehrere sogenannte „Schleudern“, d. h. Gebäudeanker, sind aus statischen Gründen gegen den Gewölbeschub im Kasten angebracht.



Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details

Zeitkategorie 18. Jahrhundert
Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) Der Kasten soll von „Italienern“ gemauert worden sein.
"Man nimmt an, dass viele gemauerte Troadkästen von Wandermaurern aus dem oberitalienischen Raum errichtet wurden, die auf der Tauernstraße zu den Großbauten der Erzbischöfe nach Salzburg zogen und ein wenig dazuverdienen wollten. Die Häuser im Lungau waren damals ja noch vorwiegend Holzbauten. Von Wandermalern aus Friaul wurden die Kästen dann mit farbenfrohen Elementen verziert." 1)
Es besteht möglicherweise eine Zeitgleichheit mit den Kästen in Lintsching beim Niggl und beim Wegmacher, wo auch italienische Gastarbeiter um 1910 bis 1912 gearbeitet haben sollen.
Es gibt aber keine besonderen Anhaltspunkte über Alter und Entstehung (lt. R. Kurz)
Bei diesem Kasten ist das Entstehungsdatum mit Ende 17., erste Hälfte 18. Jhd. anzunehmen. Im Franziscäischen Kataster ist er bereits als gemauert eingezeichnet.
Die letzte Restaurierung erfolgte 2008.
Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher) Vom Seifterkasten ist bekannt, dass man dort sogenannte Zinkenzeichen gefunden hat. Das ist eine Art der Verständigung von „Bedürftigen“ (Bettlern, Bittstellern, Zigeunern) über das Verhalten und die Art der Besitzer.

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Isidor_Sigmhbg

1997-04-15

Rieder Leopold

Informationsquellen, Literatur und weitere Quellen Gemeindearchiv, Klein-und Flurdenkmäler, R. Kurz, 2000
Kulturkatalog St. Andrä, Mag. Cornelia Thöni, 2000
1) Walter Schweinöster, Die Lungauer Troadkästen, DAHOAM
Das Wohlfühlmagazin der SN, 1/2019

Maria Posch
Datum der Erfassung 2019-03-21
Datum der letzten Bearbeitung 2021-04-14

Standort

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