Meilensteine Wörgl - John Maynard Keynes
Gemeinde: Wörgl
Zeitkategorie: --
Chronik:
Geboren wurde John Maynard Keynes in Cambridge am 5. Juni 1883, im gleichen Jahr, als einer der bedeutendsten Nationalökonomen – Karl Marx – gestorben ist. Sein Vater war selbst ein bekannter Nationalökonom an der Universität Cambridge, seine Mutter die Tochter eines bekannten Geistlichen. John Maynard war ein Paradeschüler, ausgebildet in einer privaten Elitevorschule und danach in Eton, von wo er 1902 an das King's College nach Cambridge wechselte und Mathematik sowie ab 1905 Ökonomie studierte.
Von 1906 bis 1908 arbeitete er im höheren Verwaltungsdienst des Indien-Ministeriums, schrieb danach sein erstes Werk „Treatise on probability“ (Abhandlung über Wahrscheinlichkeit), beschäftigte sich weiterhin mit Indiens Wirtschaft und verfasste 1913 ein Buch über „Indische Währung und Finanzen“. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der königlichen Untersuchungskommission zur Untersuchung der Währungsprobleme Indiens, blieb aber in Cambridge, wo er bereits 1909 mit 26 Jahren in den Lehrkörper von King's College gewählt worden war.
In Cambridge wurde Keynes einer der bekanntesten Ökonomen und seine Verdienste in der Kommission führten dazu, dass er zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom britischen Schatzamt zunächst als Sachverständiger für Währungsfragen herangezogen, kurz darauf jedoch in dessen ständigen Dienst übernommen wurde. 1919 nahm er an der Friedenskonferenz in Versailles als Delegationsführer des englischen Schatzamtes teil. Seine Einwände gegen die zu leistenden Reparationen, die er für maßlos überzogen hielt und als nicht erfüllbar betrachtete, fanden jedoch kein Gehör. Aus Protest legte Keynes sein Amt nieder und begann kurz darauf mit seiner Polemik „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedens“ (The Economic Consequences of the Peace). Das Buch war ein voller Erfolg, der Keynes bekannt, aber auch – vor allem bei amtlichen Stellen – unbeliebt machte.
1920 wurde er in Cambridge zum Professor berufen, spekulierte an der Börse, übernahm Aufträge als Finanzberater und verschiedene andere Posten im Geschäftsleben und war publizistisch tätig. Er schrieb Artikel über die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs, veröffentlichte 1922 „A Revison of the Treaty“ und ein Jahr später seinen „Tract on Monetary Reform“, in dem er gewisse Theoreme einer Geldlehre weiterentwickelte und vor allem gegen die Bindung der Währung an den Goldstandard ankämpfte.
In den folgenden Jahren legte er weitere Bücher und Abhandlungen zu den wirtschaftlichen Problemen seiner Zeit und den sich daraus ergebenden sozialen Folgen vor, so 1926 etwa die Broschüre „The End of Laissez-Faire“. Die Auseinandersetzung mit tagespolitischen Problemen führte ihn jedoch zur Erkenntnis, dass die eigentlichen Grundlagen der gängigen monetären Theorie und letztlich der allgemeinen ökonomischen Theorie überprüft und auf eine neue Basis gestellt werden müssten. Als Ergebnis solcher Überlegungen erschienen 1930 „A Treatise on Money“ (Vom Gelde) und 1936 das Standardwerk „The General Theory of Employment, Interest an Money“ (Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und Geldes).
Kurz darauf erkrankte er schwer an einer Koronarthrombose; während des Zweiten Weltkrieges fungierte er wiederum als Berater des englischen Schatzamtes, beschäftigte sich mit der inneren wie äußeren Finanzwirtschaft und machte sich Gedanken über eine Finanzierung des Krieges. Diese legte er in einer Schrift mit dem Titel „How to Pay for the War“ vor. Aber auch mit Fragen der Außenwirtschaft setzte er sich auseinander, vor allem als erste Überlegungen für eine wirtschaftliche Nachkriegsordnung angestellt wurden. 1941 legte er dem Schatzamt eine Denkschrift mit dem Titel „Proposals for a Clearing Union“ vor. Seine darin formulierten Vorschläge zielten darauf ab, eine Währungsstabilität ohne die starren Bindungen an den Goldstandard zu gewährleisten sowie die Grundlagen für eine Ausdehnung des Welthandels und eine internationale Zusammenarbeit zur Verhinderung einer Wiederkehr von Depression und Arbeitslosigkeit zu schaffen.
Wegen solcher Fragen und Probleme reiste Keynes von 1941 bis 1946 mehrfach in die USA, um eine diesbezügliche Zusammenarbeit herzustellen. Zwar konnte er sich nicht mit allen seinen Vorstellungen durchsetzen, doch ähnelte schließlich der von den Amerikanern vorgelegte Plan eines Stabilisierungsfonds in vielen Punkten seinem eigenen Entwurf. Dem US-Vorschlag schlossen sich die 1944 in Bretton Woods (siehe Meilenstein 265) vertretenen Nationen an und auf seiner Grundlage sind in der Folgezeit der Internationale Währungsfonds und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegründet worden.
1941 ist er in den Peer-Stand erhoben worden und durfte sich von nun an Lord Keynes, Baron von Tilton nennen; Ehrendoktorwürden von der Sorbonne, Edinburgh und Cambridge wurden ihm ebenfalls verliehen.
Nach der Konferenz von Bretton Woods führte Keynes mit amerikanischen Stellen weitere Verhandlungen im Namen der britischen Regierung, vor allem hinsichtlich einer Anleihe für die Zeit nach dem Krieg. Diese waren äußerst anstrengend und zermürbend, was sich auf die Gesundheit von Keynes niederschlug. Dennoch reiste er im Februar 1946 in die USA, um an der Konferenz von Svannah teilzunehmen, wo über die Errichtung eines internationalen Währungsfonds und der Weltbank entschieden werden sollte. Von diesen Verhandlungen kehrte er allerdings sehr enttäuscht wieder nach England zurück. Kurz darauf, am 21. April 1946 erlag er einem Herzschlag.
Die ökonomisch-theoretischen Überlegungen John Maynard Keynes resultierten aus den wirtschaftlichen Problemen seiner Gegenwart und bezogen sich vor allem auf das Thema Beschäftigung bzw. Vollbeschäftigung. Damit hatten die klassischen Nationalökonomen nie ein Problem gehabt, denn nach ihren Harmonie-Vorstellungen lag im Wirtschaftsgeschehen die Tendenz zu einer ständigen Wiederkehr des Gleichgewichts und damit der Vollbeschäftigung. Abweichungen von diesem ökonomischen Grundmuster betrachteten sie als vorübergehende Störungen, die als solche nicht bedeutsam waren, zumal sich über Kurz oder Lang das Gleichgewicht von selbst wieder herstellen würde. Damit gingen die Klassiker mit ihren Abstraktionen freilich weit über die realen wirtschaftlichen Verhältnisse und Entwicklungen hinaus, wobei ihnen jedoch als Entschuldigung zugebilligt werden kann, dass sie zu ihrer Zeit solche Wirtschaftskrisen wie zu Beginn der 1930er Jahre mit immens hohen Arbeitslosenraten nicht kannten.
Keynes erlebte die damalige weltweite wirtschaftliche Depression jedoch aus unmittelbarer Nähe und für ihn bedurfte die Erreichung einer Vollbeschäftigung, besonders in solchen Ausnahmesituationen, politischer Maßnahmen und staatlicher Eingriffe. Er stellte in seinem Hauptwerk der „General Theory“ die Annahmen der Klassiker auf den Kopf, wies nach, dass die freiwilligen Ersparnisse größer als die beabsichtigten Investitionen sind, wenn das gesamte Güterangebot die volkswirtschaftliche Nachfrage mengenmäßig übersteigt oder sich mit der Nachfrage qualitativ nicht deckt. Dieser Sparüberhang bewirkt einen Nachfragerückgang nach Gütern, in dessen Folge die Unternehmer einen Teil der erzeugten Produkte nicht absetzen können. Sie drosseln deshalb die Produktion, legen Feierschichten ein, gehen zur Kurzarbeit über und entlassen schließlich sogar Arbeitskräfte. Die Arbeitslosigkeit kann Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben, denn Arbeitslose erhalten weniger Einkommen. Verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz, schrumpft auch das Volkseinkommen, weshalb auch weniger Konsumgüter gekauft werden und der Absatz weiter zurück geht. Die Marktlage verschlechtert sich und führt dazu, dass der Pessimismus der Unternehmer verstärkt wird, die deshalb ihre Produktion weiter einschränken und Neuinvestitionen sowie unter Umständen auch Ersatzinvestitionen unterlassen. So sinkt in vielen Industriezweigen das Auftragsvolumen, weitere Arbeitskräfte werden entlassen – bis hin zur Massenarbeitslosigkeit!
Keynes schloss aus seiner Analyse unter anderem, dass eine zu hohe Spartätigkeit unter bestimmten wirtschaftlichen Umständen ein soziales Fehlverhalten, Ursache gesellschaftlichen Unheils und mittelbarer Grund für Arbeitslosigkeit sein kann.
Aus diesen Erkenntnissen über die Zusammenhänge zwischen dem Volkseinkommen, der Beschäftigungslage und dem Sozialprodukt leitete Keynes die Forderung an den Staat stellen ab, bei einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrageausfall durch wirtschaftspolitische Maßnahmen die Lücke zwischen Gesamtangebot und -nachfrage zu schließen (im Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie die den Staat bestenfalls als Nachtwächterstaat in wirtschaftlichen Dingen betrachteten). Um eine allgemeine Arbeitslosigkeit zu verhindern, müsse der Staat mit neu geschaffenem Geld die Nachfrage nach Investitionsgütern durch öffentliche Aufträge so lange erhöhen, bis die Vollbeschäftigung wieder erreicht sei. Aus diesen Gründen hat Keynes einmal das berühmte Wort gesprochen: „Notfalls ist es immer noch besser, Pyramiden zu bauen, als eine Arbeitslosigkeit zu dulden.“
Beschreibung:
Granitstein
Details
| Gemeindename | Wörgl |
| Gemeindekennzahl | 70531 |
| Ortsübliche Bezeichnung | Meilensteine Wörgl - John Maynard Keynes |
| Objektkategorie | 1200 ( Kulturhistorische Natur- und Steindenkmäler | | ) |
| Katastralgemeinde | |
| Flurstücks- bzw. Grundstücksnummer | |
| Ortschafts- bzw. Ortsteil | |
| Straße und Hausnummer bzw. Flurname | Bahnhofsstraße |
| Längengrad | |
| Breitengrad |
| Tirol: denkmalgeschützt | -- |
| Höhe (m) | 0.4 |
| gemessen od. geschätzt | gemessen |
| Breite (m) | 0.6 |
| gemessen od. geschätzt | gemessen |
| Tiefe (m) | |
| gemessen od. geschätzt | -- |
| Zustandsklassifizierung | -- |
| Falls sanierungsbedürftig od. ruinös: empfohlene Maßnahmen |
| Beschreibung des Objekts (Deutung, Material und Technik) | Granitstein |
| Bei besonderen Objekten: Beschreibung von Details |
| Zeitkategorie | -- |
| Ursprungsdaten, Chronik: (Zeit und Ursache der Errichtung bzw. Überlieferung, Namen der Urheber, Künstler bzw. Handwerker, Sanierungen) | Geboren wurde John Maynard Keynes in Cambridge am 5. Juni 1883, im gleichen Jahr, als einer der bedeutendsten Nationalökonomen – Karl Marx – gestorben ist. Sein Vater war selbst ein bekannter Nationalökonom an der Universität Cambridge, seine Mutter die Tochter eines bekannten Geistlichen. John Maynard war ein Paradeschüler, ausgebildet in einer privaten Elitevorschule und danach in Eton, von wo er 1902 an das King's College nach Cambridge wechselte und Mathematik sowie ab 1905 Ökonomie studierte. Von 1906 bis 1908 arbeitete er im höheren Verwaltungsdienst des Indien-Ministeriums, schrieb danach sein erstes Werk „Treatise on probability“ (Abhandlung über Wahrscheinlichkeit), beschäftigte sich weiterhin mit Indiens Wirtschaft und verfasste 1913 ein Buch über „Indische Währung und Finanzen“. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied der königlichen Untersuchungskommission zur Untersuchung der Währungsprobleme Indiens, blieb aber in Cambridge, wo er bereits 1909 mit 26 Jahren in den Lehrkörper von King's College gewählt worden war. In Cambridge wurde Keynes einer der bekanntesten Ökonomen und seine Verdienste in der Kommission führten dazu, dass er zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom britischen Schatzamt zunächst als Sachverständiger für Währungsfragen herangezogen, kurz darauf jedoch in dessen ständigen Dienst übernommen wurde. 1919 nahm er an der Friedenskonferenz in Versailles als Delegationsführer des englischen Schatzamtes teil. Seine Einwände gegen die zu leistenden Reparationen, die er für maßlos überzogen hielt und als nicht erfüllbar betrachtete, fanden jedoch kein Gehör. Aus Protest legte Keynes sein Amt nieder und begann kurz darauf mit seiner Polemik „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedens“ (The Economic Consequences of the Peace). Das Buch war ein voller Erfolg, der Keynes bekannt, aber auch – vor allem bei amtlichen Stellen – unbeliebt machte. 1920 wurde er in Cambridge zum Professor berufen, spekulierte an der Börse, übernahm Aufträge als Finanzberater und verschiedene andere Posten im Geschäftsleben und war publizistisch tätig. Er schrieb Artikel über die wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs, veröffentlichte 1922 „A Revison of the Treaty“ und ein Jahr später seinen „Tract on Monetary Reform“, in dem er gewisse Theoreme einer Geldlehre weiterentwickelte und vor allem gegen die Bindung der Währung an den Goldstandard ankämpfte. In den folgenden Jahren legte er weitere Bücher und Abhandlungen zu den wirtschaftlichen Problemen seiner Zeit und den sich daraus ergebenden sozialen Folgen vor, so 1926 etwa die Broschüre „The End of Laissez-Faire“. Die Auseinandersetzung mit tagespolitischen Problemen führte ihn jedoch zur Erkenntnis, dass die eigentlichen Grundlagen der gängigen monetären Theorie und letztlich der allgemeinen ökonomischen Theorie überprüft und auf eine neue Basis gestellt werden müssten. Als Ergebnis solcher Überlegungen erschienen 1930 „A Treatise on Money“ (Vom Gelde) und 1936 das Standardwerk „The General Theory of Employment, Interest an Money“ (Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und Geldes). Kurz darauf erkrankte er schwer an einer Koronarthrombose; während des Zweiten Weltkrieges fungierte er wiederum als Berater des englischen Schatzamtes, beschäftigte sich mit der inneren wie äußeren Finanzwirtschaft und machte sich Gedanken über eine Finanzierung des Krieges. Diese legte er in einer Schrift mit dem Titel „How to Pay for the War“ vor. Aber auch mit Fragen der Außenwirtschaft setzte er sich auseinander, vor allem als erste Überlegungen für eine wirtschaftliche Nachkriegsordnung angestellt wurden. 1941 legte er dem Schatzamt eine Denkschrift mit dem Titel „Proposals for a Clearing Union“ vor. Seine darin formulierten Vorschläge zielten darauf ab, eine Währungsstabilität ohne die starren Bindungen an den Goldstandard zu gewährleisten sowie die Grundlagen für eine Ausdehnung des Welthandels und eine internationale Zusammenarbeit zur Verhinderung einer Wiederkehr von Depression und Arbeitslosigkeit zu schaffen. Wegen solcher Fragen und Probleme reiste Keynes von 1941 bis 1946 mehrfach in die USA, um eine diesbezügliche Zusammenarbeit herzustellen. Zwar konnte er sich nicht mit allen seinen Vorstellungen durchsetzen, doch ähnelte schließlich der von den Amerikanern vorgelegte Plan eines Stabilisierungsfonds in vielen Punkten seinem eigenen Entwurf. Dem US-Vorschlag schlossen sich die 1944 in Bretton Woods (siehe Meilenstein 265) vertretenen Nationen an und auf seiner Grundlage sind in der Folgezeit der Internationale Währungsfonds und die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegründet worden. 1941 ist er in den Peer-Stand erhoben worden und durfte sich von nun an Lord Keynes, Baron von Tilton nennen; Ehrendoktorwürden von der Sorbonne, Edinburgh und Cambridge wurden ihm ebenfalls verliehen. Nach der Konferenz von Bretton Woods führte Keynes mit amerikanischen Stellen weitere Verhandlungen im Namen der britischen Regierung, vor allem hinsichtlich einer Anleihe für die Zeit nach dem Krieg. Diese waren äußerst anstrengend und zermürbend, was sich auf die Gesundheit von Keynes niederschlug. Dennoch reiste er im Februar 1946 in die USA, um an der Konferenz von Svannah teilzunehmen, wo über die Errichtung eines internationalen Währungsfonds und der Weltbank entschieden werden sollte. Von diesen Verhandlungen kehrte er allerdings sehr enttäuscht wieder nach England zurück. Kurz darauf, am 21. April 1946 erlag er einem Herzschlag. Die ökonomisch-theoretischen Überlegungen John Maynard Keynes resultierten aus den wirtschaftlichen Problemen seiner Gegenwart und bezogen sich vor allem auf das Thema Beschäftigung bzw. Vollbeschäftigung. Damit hatten die klassischen Nationalökonomen nie ein Problem gehabt, denn nach ihren Harmonie-Vorstellungen lag im Wirtschaftsgeschehen die Tendenz zu einer ständigen Wiederkehr des Gleichgewichts und damit der Vollbeschäftigung. Abweichungen von diesem ökonomischen Grundmuster betrachteten sie als vorübergehende Störungen, die als solche nicht bedeutsam waren, zumal sich über Kurz oder Lang das Gleichgewicht von selbst wieder herstellen würde. Damit gingen die Klassiker mit ihren Abstraktionen freilich weit über die realen wirtschaftlichen Verhältnisse und Entwicklungen hinaus, wobei ihnen jedoch als Entschuldigung zugebilligt werden kann, dass sie zu ihrer Zeit solche Wirtschaftskrisen wie zu Beginn der 1930er Jahre mit immens hohen Arbeitslosenraten nicht kannten. Keynes erlebte die damalige weltweite wirtschaftliche Depression jedoch aus unmittelbarer Nähe und für ihn bedurfte die Erreichung einer Vollbeschäftigung, besonders in solchen Ausnahmesituationen, politischer Maßnahmen und staatlicher Eingriffe. Er stellte in seinem Hauptwerk der „General Theory“ die Annahmen der Klassiker auf den Kopf, wies nach, dass die freiwilligen Ersparnisse größer als die beabsichtigten Investitionen sind, wenn das gesamte Güterangebot die volkswirtschaftliche Nachfrage mengenmäßig übersteigt oder sich mit der Nachfrage qualitativ nicht deckt. Dieser Sparüberhang bewirkt einen Nachfragerückgang nach Gütern, in dessen Folge die Unternehmer einen Teil der erzeugten Produkte nicht absetzen können. Sie drosseln deshalb die Produktion, legen Feierschichten ein, gehen zur Kurzarbeit über und entlassen schließlich sogar Arbeitskräfte. Die Arbeitslosigkeit kann Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben, denn Arbeitslose erhalten weniger Einkommen. Verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz, schrumpft auch das Volkseinkommen, weshalb auch weniger Konsumgüter gekauft werden und der Absatz weiter zurück geht. Die Marktlage verschlechtert sich und führt dazu, dass der Pessimismus der Unternehmer verstärkt wird, die deshalb ihre Produktion weiter einschränken und Neuinvestitionen sowie unter Umständen auch Ersatzinvestitionen unterlassen. So sinkt in vielen Industriezweigen das Auftragsvolumen, weitere Arbeitskräfte werden entlassen – bis hin zur Massenarbeitslosigkeit! Keynes schloss aus seiner Analyse unter anderem, dass eine zu hohe Spartätigkeit unter bestimmten wirtschaftlichen Umständen ein soziales Fehlverhalten, Ursache gesellschaftlichen Unheils und mittelbarer Grund für Arbeitslosigkeit sein kann. Aus diesen Erkenntnissen über die Zusammenhänge zwischen dem Volkseinkommen, der Beschäftigungslage und dem Sozialprodukt leitete Keynes die Forderung an den Staat stellen ab, bei einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrageausfall durch wirtschaftspolitische Maßnahmen die Lücke zwischen Gesamtangebot und -nachfrage zu schließen (im Gegensatz zur klassischen Nationalökonomie die den Staat bestenfalls als Nachtwächterstaat in wirtschaftlichen Dingen betrachteten). Um eine allgemeine Arbeitslosigkeit zu verhindern, müsse der Staat mit neu geschaffenem Geld die Nachfrage nach Investitionsgütern durch öffentliche Aufträge so lange erhöhen, bis die Vollbeschäftigung wieder erreicht sei. Aus diesen Gründen hat Keynes einmal das berühmte Wort gesprochen: „Notfalls ist es immer noch besser, Pyramiden zu bauen, als eine Arbeitslosigkeit zu dulden.“ |
| Chronik - allfällige Ergänzungen: (z.B. Sagen, Legenden, Überlieferungen ausführlicher) |
| Informationsquellen, Literatur und weitere Quellen | John Maynard Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin 71994; Robert L. Heilbroner, Wirtschaft und Wissen. Zwei Jahrhunderte Nationalökonomie, Köln 1960, S. 270-315; Harald Scherf, John Maynard Keynes (1883-1946), in: Joachim Starbatty (Hg.), Klassiker des ökonomischen Denkens, Bd. 2: Von Karl Marx bis John Maynard Keynes, München 1989, S. 273-291; Helge Hesse, Ökonomen Lexikon. Politiker, Unternehmer, Denker der Wirtschaftsgeschichte in 600 Porträts, Darmstadt 2003, S.179/180. |
| Datum der Erfassung | 2019-11-30 |
| Datum der letzten Bearbeitung | 2020-01-07 |
| letzter Bearbeiter | kuf woergl |
